Rotarier an der Mittelschule Fürstenfeldbruck West

Fürstenfeldbruck – Einmal im Monat laufen gut ein Dutzend Herren mit Anzug und Krawatte durch die Gänge der Mittelschule West am Asambogen. Unter ihnen ein Richter, ein Rechtsanwalt, ein Patentanwalt, ein Notar, ein Pfarrer, ein Bankchef, ein Verwaltungsleiter, mehrere Ingenieure, ein ehemaliger Forstamtsleiter, ein Landschaftsarchitekt. Sie sind weder von der Schulaufsicht noch ermitteln sie in irgendeiner Sache. Ihre Mission ist eine andere: den Schülern beim Start ins Berufsleben auf die Sprünge zu helfen. 

Das Projekt des Rotary-Clubs Fürstenfeldbruck heisst intern einfach „Mittelschulprojekt“. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass die Rotarier mit ihrer Führungskräfte-Erfahrung aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen die Schüler in das Berufsleben begleiten. „Wir erläutern ihnen authentisch die Sicht der Wirtschaft, fördern sie in ihrer persönlichen Entwicklung und sagen, worauf es ankommt“, berichtet Rotarier Otto Kolbe. Der ehemaliger Leiter der staatlichen Fach- und Berufsoberschule in Bruck organisierte die soeben beendete Staffel der 9. Klasse, deren Schüler die Rotarier 18 mal für eine Doppelstunde gesehen haben. „Es beginnt jeweils schon am Ende der 7. Klasse, geht die komplette 8. Klasse und endet kurz vor den Prüfungen in der Abschlussklasse“, erklärt Kolbe. Ziel sei es, die Schüler auf alles vorzubreiten was für einen Start in das Berufsleben notwendig ist: zum Beispiel Persönlichkeitsbildung aber vor allem gute Bewerbungsmappen für Praktika oder Lehrstelle und ein sicheres Auftreten beim Bewerbungsgespräch. „Die Schüler sind durch die Einzelgespräche unmittelbar gefordert, das können wir im normalen Schulbetrieb gar nicht darstellen“, lobt 9c-Klassleiterin Patricia Klotz das Projekt, das sie noch an keiner anderen Schule gesehen hat. Indirekt steigen auch die schulischen Leistungen, weil die Profis aus der Wirtschaft die Schüler zu mehr Ehrgeiz motivieren. Christian Bär, Klassleiter der 9b, findet die Berufsvorstellungen besonders hilfreich, weil es die Sichtweise derjenigen bietet, die nur ein paar Jahre älter sind und schon im Beruf stehen. Dabei bringen die Rotarier oft aus ihren eigenen Unternehmen einen jungen Berufsanfänger mit in die Schule, der dann vor der Klasse aus erster Hand, zum Beispiel von der Arbeit eines Facharbeiters auf der Baustelle oder in der Autowerkstatt berichtet. „Oft ist es nämlich so, dass die Schüler gar keine Idee haben, was sie denn werden wollen“, hat Lehrer Bär beobachtet. 

Vorläufer des Rotary-Mittelschulprojekts war ein Berufsvorstellungsangebot, das sich an die Abiturienten der Gymnasien richtete. Vor zwölf Jahren erkannten die Brucker Rotarier, dass die damaligen Hauptschüler schwierigere berufliche Perspektiven hatten und wendeten sich unserer Schule zu. „Nach vielen Gesprächen mit Landratsamt, Schulamt und Rektoren starteten wir das Projekt und konnten soviele unserer Mitglieder zur ehrenamtlichen Mitarbeit gewinnen, dass auch heute noch pro Klasse bis zu vier Rotarier zur Verfügung stehen“, berichtet Wilhelm Schüler, der damals maßgeblich das Konzept erstellte. „Die anfängliche Skepsis wandelte sich in Begeisterung, weil auch die Rotarier später vom Erfolg ihrer Schützlinge hörten“, so Wilhelm Schüler weiter. Auch für die Lehrkräfte sei es ein Gewinn, weil sie beim anschließenden Austausch eine externe Einschätzung erfahren. Und die Schüler? In der abschließenden Feedback-Umfrage schreiben sie: „Es hat mir mega geholfen, meine Lehrstelle zu finden.“ Und: „Ich finde es super, dass jemand so etwas an Schulen macht.“ Im Prinzip ist es also nicht ausgeschlossen, dass die Schüler, die heute noch strumpfsockig durchs Schulhaus schlurfen, eines Tages mit dem Anzug kommen und der nächsten Schülergeneration von ihrem Beruf(-sstart) berichten. 

Max-Joseph Kronenbitter

Abschlussfoto am Ende des zweijährigen Coaching-Projekts durch den Rotary-Club Fürstenfeldbruck: die Schüler der 9a, 9b und 9c samt staatlichen und rotarischen Lehrern der Mittelschule am Asambogen Foto: Hans Nürbauer

Benno und Selda trainieren im Einzelgespräch mit dem ehemaligen Familienrichter am Brucker Amtsgericht, Peter Maly-Motta, dessen Ehefrau Hanne ebenfalls als Psychologin bei dem Projekt dabei ist. Foto: Max-Joseph Kronenbitter